Bundesweite Störung entfacht Debatte über Krisenvorsorge der Deutschen Bahn

Ein Ausfall des digitalen Zugfunks legte den Bahnverkehr bundesweit lahm und traf Tausende Reisende. Nun wächst der politische Druck auf die Deutsche Bahn: Mehrere Verkehrsminister fordern Aufklärung, Konsequenzen und ein krisenfestes Notfallmanagement.

Nach dem bundesweiten Ausfall des digitalen Bahnfunksystems GSM-R steht die Deutsche Bahn wegen ihrer Krisenvorsorge zunehmend in der Kritik. Die Störung hatte am späten Dienstagabend den Fern-, Regional- und S-Bahnverkehr in weiten Teilen Deutschlands für rund zwei Stunden nahezu vollständig zum Erliegen gebracht. Erst gegen 0.30 Uhr konnten die ersten Züge ihren Betrieb wieder aufnehmen. Zahlreiche Reisende waren von Ausfällen, Verspätungen und längeren Aufenthalten an Bahnhöfen betroffen.

Mehrere Landesverkehrsminister äußerten im Anschluss deutliche Kritik am Krisenmanagement des Konzerns. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) erklärte, technische Defekte ließen sich zwar nie vollständig ausschließen, bei einem Ausfall dieser Größenordnung müsse jedoch ein belastbares Notfallkonzept vorhanden sein. Er sprach von einem erheblichen Modernisierungsbedarf bei der Infrastruktur der Deutschen Bahn und kündigte an, das Thema bei der nächsten Verkehrsministerkonferenz mit DB-Chefin Evelyn Palla eingehend zu besprechen.

Forderung nach lückenloser Aufklärung der Ursache

Auch Brandenburgs Verkehrsminister Robert Crumbach (SPD) forderte eine “lückenlose Aufklärung” der Ursache. Solche Komplettausfälle gefährdeten aus seiner Sicht die Verlässlichkeit des Schienenverkehrs und damit das Vertrauen von Fahrgästen und Beschäftigten. Er verlangte technische Redundanzen und ein professionelles Notfallmanagement, um die Widerstandsfähigkeit des Systems zu erhöhen.

Scharfe Kritik kam zudem aus Nordrhein-Westfalen. Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) bezeichnete den Vorfall als neuen Tiefpunkt der ohnehin schwachen Betriebsqualität. Es dürfe nicht sein, dass der Ausfall eines einzelnen Systems den bundesweiten Zugverkehr nahezu vollständig stoppe.

Nach Angaben der Deutschen Bahn könnte der planmäßige Austausch einer technischen Komponente im GSM-R-System die Störung ausgelöst haben. Sicherheitsbehörden gehen nach bisherigen Erkenntnissen weder von Sabotage noch von einem Cyberangriff aus. Als mögliche Ursache wird stattdessen ein fehlerhaftes Software-Update untersucht. Die technische Analyse dauert an.

EVN