Historische Fahrzeuge sind ein beliebtes Fotomotiv. Das ist auch in Wuppertal zu erleben. Wenn der Nostalgiezug der Schwebebahn kommt, zücken all ihre Handys. Wer kann da mitfahren?
Der historische “Kaiserwagen” der Schwebebahn ist nach siebenjähriger und millionenschwerer Instandsetzung im Wuppertaler Stadtbild zurück. “Da steckt natürlich ganz viel Herzblut drin”, sagte der Betriebsleiter der Schwebebahn, Christian Kindinger. Sehr viele Bauteile seien dabei aufgearbeitet oder originalgetreu ersetzt worden.
Das Schienenfahrzeug aus dem Jahr 1900 sei vermutlich weltweit das älteste, das über diese moderne Signal- und Sicherungstechnik verfüge. Deshalb sei für die Fahrerinnen und Fahrer neben dem historischen runden Fahrschalter aus Holz auch ein kleiner Computerbildschirm für die Technik des 21. Jahrhunderts installiert worden. Auf dem Display werde unter anderem der Tacho abgebildet.
Der “Kaiserwagen” solle für etwa 400 Kaffee- und Sonderfahrten im Jahr im Einsatz sein und besitze so für die Stadt große touristische Bedeutung. Der Buchungsstart für Fahrten ab Juni habe bereits begonnen. Eine 65 Minuten dauernde Kaffeefahrt mit Kuchen sowie Stadtführern in historischen Kostümen koste für Erwachsene 49,50 Euro. Hochzeiten seien von Januar 2027 an möglich.
Bei der Restaurierung und Umrüstung kam eins zum anderen. “Wir reden schon über ein Projekt, was sieben Jahre gedauert hat”, sagt Kindinger. Ursprünglich sei mit etwa einem Jahr Stillstand gerechnet worden. Neue Sicherheitstechnik, Speichenräder, Fahrwerke und Kabel für höhere Fahrspannung, zählt er auf. Auch die Pandemie und ein Lieferantenausfall hätten das Projekt verzögert.
Für den “Kaiserwagen” soll perspektivisch auch ein spezieller Bahnsteig in der Wagenhalle für die Schwebebahn entstehen. Die neue Wagenhalle im Stadtteil Vohwinkel soll nach der Bundesgartenschau in den Jahren 2032 bis 2034 entstehen. Die Schwebebahn werde dann 15 bis maximal 18 Monate stillgelegt. “Wir sind jetzt in der Planung noch relativ am Anfang”, erklärt Kindinger.
Die ersten Passagiere der Schwebebahn waren Kaiser Wilhelm II. und seine Gemahlin Auguste Viktoria bei einer Testfahrt am 24. Oktober 1900, einige Monate vor der Eröffnung. Aus der Baureihe 1900 sind die Wagen 5 und 22 erhalten, die gekoppelt als “Kaiserwagen” fahren. Ob der Monarch damals genau mit einem dieser beiden Wagen gefahren ist, ist allerdings nicht bekannt.
dpa / EVN
