Warnstreiks schränken Nahverkehr in München und Nürnberg stark ein

Ein Warnstreik schränkt den Nahverkehr in mehreren Städten ein: Pendler müssen kreativ sein, die Straßen sind voll. Was Verdi plant, wie die Anreise zum DFB-Pokalspiel lief und was Fahrgäste erwartet.

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Wie komm’ ich bloß zur Arbeit und wieder zurück? Eineinhalb Wochen nach einem ersten Warnstreik im kommunalen Nahverkehr in Bayern in diesem Jahr sind Fahrgäste in etlichen Städten erneut aufgerufen, zu improvisieren. Ob Fahrgemeinschaften, das Fahrrad oder zu Fuß – am besten Homeoffice, sagte sich so mancher.

Am Abend gab es bei der Anreise der Fans zum DFB-Pokal-Viertelfinale des FC Bayern gegen RB Leipzig in der Allianz-Arena in München trotz des Warnstreiks zunächst keine massiven Behinderungen. Rund um das Stadion staute sich der Verkehr, weil viele mit dem Auto anreisten, wie ein Polizeisprecher sagte. Hinzu komme der Berufsverkehr, der wegen des Warnstreiks dichter war als sonst.

Die U-Bahn zur Allianz-Arena im Abschnitt Marienplatz-Fröttmaning fahre aber wie von angekündigt regelmäßig im Takt von wenigen Minuten. Fans berichteten von einer teils sogar entspannteren Anreise als sonst, weil die U-Bahn-Züge beim Start am Marienplatz leer waren.

Zudem sollte der übliche Bustransfer von der S-Bahnhaltestelle Donnersbergerbrücke für die Fußballfans verstärkt werden.

In München besser als erwartet

Ein geregelter Betrieb in der Landeshauptstadt wird voraussichtlich erst am Donnerstag wieder möglich sein, wie die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) mitteilte. So sei die U-Bahn am Morgen zunächst überhaupt nicht im Betrieb gewesen.

Am Vormittag hieß es dann: Zwischen Marienplatz und Fröttmaning fährt die U-Bahn, die Tramlinien 20 und 25 seien im 10-Minuten-Takt unterwegs. Auch bei den Bussen ging es vorwärts: Dreiviertel aller Fahrzeuge rückten aus, teilweise im 10-Minuten-Takt. Grund für die Entspannung: Mehr Mitarbeiter hätten sich zum Dienst gemeldet als beim zurückliegenden Warnstreiktag vor eineinhalb Wochen.

In Nürnberg blieben sowohl die U-Bahnen als auch die Trambahnen in den Depots, wie Michael Batog von der Gewerkschaft Verdi schilderte. In Passau stehe alles still, ergänzte seine Kollegin Katharina Wagner.

Nächste Verhandlungsrunde am Freitag

Gewerkschaftssekretärin Wagner kündigte an, dass es bis zur nächsten Verhandlungsrunde am Freitag keine weiteren Warnstreiks in Bayern geben werde. “In der Eskalation sind wir definitiv noch nicht.”

Die Gewerkschaft wolle ja nicht die Fahrgäste als solche treffen, dies sei nur der einzige Hebel, um Druck auf die Arbeitgeber auszuüben. “Deshalb ist es ist unser Credo, dass wir Warnstreiks in der Regel früh ankündigen, damit die Leute nicht aus dem Haus gehen und ins offene Messer laufen und total überrascht werden.”

Auch in Bayreuth und Dachau waren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verkehrsunternehmen dazu aufgerufen, ihre Arbeit niederzulegen. Es ist das zweite Mal im laufenden Tarifkonflikt, dass die Gewerkschaft im Freistaat zu diesem Druckmittel greift. Schon bei der ersten Runde am 2. Februar waren auch München und Nürnberg betroffen. S-Bahnen und Regionalbahnen sollten jedoch auch dort trotz des Warnstreiks weiterfahren.

Mancherorts fuhren in den betroffenen Städten auch Busse, wenn sie von privaten Dienstleistern im Auftrag der Verkehrsbetriebe betrieben werden – so in München, wo am Morgen auf allen Buslinien Fahrzeuge unterwegs waren, allerdings teils in großen Abständen.

Am Morgen kompletter Stillstand

Bei der U-Bahn in München stand am Morgen zunächst alles still, weil im Fahrdienst und in der Leitstelle zu wenige Mitarbeiter zur Verfügung standen. Später entspannte sich die Lage.

Auch bei der Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg (VAG) wirkte sich der Warnstreik spürbar aus. “Faktisch fährt so gut wie nichts. Es sind nur 30 Busse in der Stadt unterwegs”, sagte Batog am Morgen. Auf den Straßen sei es dadurch im Berufsverkehr deutlich voller als sonst. Bei der Biofach, dem weltgrößte Treffen der Biobranche, musste ein Bus-Shuttle-Service eingerichtet werden, um Tausende Besucher aus dem In- und Ausland von ihren Hotels zum Messegelände zu bringen.

Dass es gerade in Nürnberg und München schwierig war, mit dem Auto zur Arbeit zu kommen, belegen auch Zahlen des Verkehrsdatenanbieters TomTom, die dieser für die dpa erhoben hat. In München war das Stauniveau im morgendlichen Berufsverkehr fast zweieinhalbmal so hoch wie im Jahresdurchschnitt 2025, in Nürnberg sogar mehr als dreimal so hoch. In beiden Städten fiel der Stau damit allerdings etwas schwächer aus als beim ersten Warnstreik am 2. Februar.

In Bayreuth hatte der Warnstreik bereits am Dienstag begonnen. Den Stadtwerken zufolge sollte auf vielen Buslinien mit Fahrzeugen von Partnerunternehmen ein Grundangebot aufrechterhalten werden. In Dachau sollten die sechs Buslinien der Stadtwerke ausfallen.

Ziel Entgeltsteigerung

Verdi fordert in dem Tarifkonflikt in Bayern unter anderem eine Entgeltsteigerung von 668,75 Euro und eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit. Die bayerischen Städte weisen das als zu teuer zurück, zumal sie bereits weitere Verbesserungen und eine Entgelterhöhung von mindestens 5 Prozent angeboten hätten. Die nächste Verhandlungsrunde ist am Freitag.

dpa