Fahrerinnen und Fahrer von Bussen und Straßenbahnen müssen auch frühmorgens und spätabends arbeiten, die Schichten sind oft lang. In einer Studie hat Verdi berechnen lassen, was bessere Arbeitsbedingungen kosten würden.
Wenige Wochen vor dem Beginn der Tarifverhandlungen im öffentlichen Personennahverkehr hat die Gewerkschaft Verdi die Arbeitsbedingungen in der Branche angeprangert. “Für das Fahrpersonal im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) gelten Arbeitsbedingungen, die so unattraktiv sind wie in kaum einer anderen Branche”, teilte Verdi vor wenigen Tagen mit.
Bereits jetzt gibt es im ÖPNV vielerorts Personalmangel. Zum einen gehen viele Beschäftigte in Rente, zum anderen verlassen auch viele die Branche. Gleichzeitig kommen nicht so viele neue Interessierte nach.
Vor allem geteilte Dienste stellen laut Verdi großes Problem dar
Um den Beruf von Bus- und Straßenbahnfahrern attraktiver zu machen, fordert Verdi unter anderem:
- Kürzere Schichtzeiten: Zur reinen Arbeitszeit hinter dem Steuer kommen oft noch Wendezeiten, verpflichtende Pausen wegen Regelungen zu Lenkzeiten und Ähnliches hinzu. Laut Verdi ist das meist unbezahlte Zeit, die die Schicht deutlich verlängert.
- Weniger geteilte Dienste: Dienste, die aus zwei Teilen mit einer langen Pause dazwischen bestehen, sind vor allem im ländlichen Raum im ÖPNV oft zu beobachten. Laut Verdi stellen sie eine hohe Belastung für die Beschäftigten dar.
- Weniger Wochenendarbeit: Verdi geht davon aus, dass viele Beschäftigte im Fahrdienst an weniger als der Hälfte der Wochenenden frei haben.
Für diese und weitere Verbesserungen bräuchte es mehr Personal im Fahrdienst. Einer von Verdi und dem Umwelt-Lobbyverein Klima-Allianz Deutschland in Auftrag gegebene Studie zufolge müssten 32.000 Menschen zusätzlich im Fahrdienst eingestellt werden, um gute Arbeitsbedingungen zu erreichen. Das wäre ein Plus von 25 Prozent.
Studienautor: Aufrechterhaltung des aktuellen Angebots gefährdet
Die Kosten beziffert die Studie auf 1,76 Milliarden Euro pro Jahr – das entspricht gut sieben Prozent des jährlichen ÖPNV-Gesamtbudgets (Bus und Bahn) in Deutschland. “Das sind keine Peanuts, aber das ist auch keine Überforderung. Denn heute überfordern wir die Beschäftigten”, sagte Andreas Schackert, Bundesfachgruppenleiter Busse und Bahnen bei Verdi. “Nur weil sich die Beschäftigten die Überforderung antun, ist der ÖPNV heute möglich.”
Studienautor Christoph Schaaffkamp betonte: “Im Moment ist schon die Aufrechterhaltung des aktuellen ÖPNV-Angebots akut gefährdet.” Politisch wird eigentlich immer wieder der Ausbau des ÖPNV auch aus Klimaschutzgründen gewünscht.
Tarifverhandlungen in allen Bundesländer ab Januar
Die Tarifverhandlungen im ÖPNV beginnen im Januar. Verdi verhandelt parallel in allen Bundesländern. Vielerorts geht es vor allem um die Arbeitsbedingungen, in einigen Ländern aber auch um Löhne und Gehälter. Bei vorherigen Tarifrunden hat Verdi die parallelen Verhandlungen dazu genutzt, möglichst flächendeckend zu Warnstreiks aufzurufen und den ÖPNV zu beeinträchtigen.
Schackert betonte, dass verschiedene der in der Studie untersuchten Themen auch Teil der Tarifverhandlungen seien. Es gibt jedoch keine allgemeinen, bundesweit gültigen Forderungen – dafür seien die Ausgangslagen in den Regionen zu unterschiedlich.
dpa / EVN
