Bahn-Chaos im Dezember – Josel: „Man kann nicht für alle Wetterlagen alles vorbereiten“


MÜNCHEN | Wer in der ersten Dezemberwoche mit der Bahn zur Schule oder Arbeit wollte, hatte in Südbayern vielerorts keine Chance: Der starke Schneefall legte den Verkehr teils über Tage hinweg lahm. Nun mussten die Verantwortlichen im Landtag Rede und Antwort stehen.

Nach dem schneebedingten Chaos beim bayerischen Schienenverkehr Anfang Dezember haben Verantwortliche von Bayerischer Eisenbahngesellschaft und Deutscher Bahn im Landtag die Heftigkeit des Wintereinbruchs hervorgehoben. Bis zu einem halben Meter Schnee sei innerhalb kürzester Zeit gefallen, betonte die Geschäftsführerin der Bayerischen Eisenbahngesellschaft, Bärbel Fuchs, am Dienstag vor dem Verkehrsausschuss. Der Schnee habe nicht nur die Schienen verstopft. Durch umstürzende Bäume und zahlreiche Kurzschlüsse habe es zudem gravierende Auswirkungen auf Weichen, Signalanlagen und Stellwerke gegeben. Oberleitungen seien gerissen und Fahrzeuge so massiv beschädigt worden, dass sie abgeschleppt werden mussten.

Aus Sicherheitsgründen habe sich die Deutsche Bahn deshalb für ein kontrolliertes Herunterfahren des Verkehrs entschieden, sagte deren Konzernbevollmächtigter für Bayern, Klaus-Dieter Josel. Es habe nicht an der Zahl der zur Verfügung stehenden Räumfahrzeuge gelegen, sondern an der schieren Dimension des Wintereinbruchs und dessen Folgen. Mit Blick auf die Zukunft sagte Josel: „Wir haben uns einiges vorgenommen, aber man muss realistischerweise sagen: Man kann nicht für alle Wetterlagen alles vorbereiten.“

Laut Fuchs hatten die Schneefälle aus der Nacht vom 1. zum 2. Dezember erhebliche Auswirkungen auf die Eisenbahninfrastruktur, die Fahrzeuge, die Fahrgastinformation und den Schienenersatzverkehr. Die Räumung und Instandsetzungsarbeiten dauerten vor allem in Süd- und Ostbayern teilweise bis zum 7. Dezember. Pendler und Reisende standen auch dann noch ratlos und oft vergeblich auf den Bahnsteigen, als der Verkehr auf den Straßen längst wieder rollte.

Fuchs übte bei allem Verständnis auch Kritik an den Verkehrsunternehmen. Sie müssten sich darum kümmern, dass ihre Fahrzeuge einsatzbereit blieben. „Und hier haben wir inzwischen Zweifel an der Winterfestigkeit der Fahrzeuge.“ Dieser Punkt werde künftig in den Ausschreibungen verstärkt berücksichtigt.

Die Unternehmen seien auch für die Instandsetzung von beschädigten Fahrzeugen verantwortlich; in den Werkstätten herrsche aber Arbeitskräftemangel. Am meisten habe die Eisenbahngesellschaft, die den Schienenverkehr in Bayern plant, finanziert und kontrolliert, aber die schlechte Kommunikation geärgert. „Die Reiseplanung für die Fahrgäste war in dieser Zeit fast unmöglich“, schilderte Fuchs.

Die Deutsche Bahn will mit einem Maßnahmenbündel aus den Erfahrungen lernen. So soll bessere Kommunikation unter anderem dafür sorgen, dass Straßenräumfahrzeuge den Schnee nicht erneut auf die Gleise schieben. Auch solle es nicht wieder vorkommen, dass Züge zwar fahren könnten, die Subunternehmer aber die Bahnsteige noch nicht geräumt haben. Zudem sollten Bäume entlang der Strecken so konsequent zurückgeschnitten werden, dass sie nicht mehr auf Gleise und Leitungen fallen könnten, erläuterte Josel.


LESEN SIE AUCH

dpa