Karlsruher Oberbürgermeister: 49-Euro-Ticket gefährdet ÖPNV-Ausbau


KARLSRUHE | Das geplante 49-Euro-Ticket gefährdet aus Sicht des Karlsruher Oberbürgermeisters Frank Mentrup den Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). Das künftige Deutschlandticket sollte daher noch einmal infrage gestellt werden.

Dass Baden-Württemberg das neue Nahverkehrsticket mitfinanziere, dürfe nicht wie von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) angekündigt zu Abstrichen an anderer Stelle führen, sagte der SPD-Politiker gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. „Sonst können wir die Qualitätsstandards nicht mal aufrechterhalten.“ Es dürfe nicht zu einem Stillstand beim Ausbau des ÖPNV kommen, warnte er.

Denn aus Mentrups Sicht wird das neue Ticket kaum zur Verkehrswende beitragen. 49 Euro seien zu wenig, um die Ausgaben der Verkehrsbetriebe auszugleichen, sagte der Oberbürgermeister, der auch Vorsitzender des Aufsichtsrates des Karlsruher Verkehrsverbunds (KVV) ist. „49 Euro sind aber zu viel, um eine nennenswerte Zahl neuer Kunden zu finden.“ Nutzen würden das Ticket nach seiner Einschätzung vor allem Menschen, die ohnehin schon – meist teurere – Monats- oder Jahreskarten haben und künftig für weniger Geld durch ganz Deutschland in Bussen und Bahnen des Nahverkehrs reisen können.

Nach seinen Informationen solle zudem für eine Milliarde Euro eine übergeordnete Plattform zum Vertrieb des 49-Euro-Tickets samt einer Trackingfunktion der Reisenden durch die Republik entwickelt werden, sagte der Rathauschef. Das kritisierte Mentrup als reine Verschwendung. „Man will es supergut und superdigital machen“, sagte er. „Aber das Geld können wir besser woanders gebrauchen.“


EVN

Anzeige