Piratenpartei kritisiert Deutsche Bahn für Umgang mit Cécile Lecomte


GÖTTINGEN / BRAUNSCHWEIG | Die Piratenpartei hat das Vorgehen der Deutschen Bahn gegen die Rollstuhl­fahrerin und Umwelt­aktivistin Cécile Lecomte verurteilt. Die 40-Jährige war am Montag von der Fahrt in einem ICE ausgeschlossen worden.

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„Eine Person mit einer Behinderung nicht zu befördern ist ohnehin schon eine bodenlose Frechheit, denn es sollte in jedem Zug so einen Stellplatz geben für Rollstuhlfahrer. Sie aber dann auch noch gewaltsam aus dem Zug zu werfen, ist ohne jegliche Verhältnis­mäßigkeit“, kritisierte Antonia-M. Hörster vom Landes­vorstand der Piraten Niedersachsen.

„Es ist unsere Aufgabe als Politik, solche Missstände ernst zu nehmen und dringend zu verbessern in der Zukunft. Ich erlebe selber immer wieder die teils fragwürdigen und absolut unverschämten Verhältnisse für Menschen mit Behinderungen in Zügen“, ergänzte die selbst auf einen Rollstuhl angewiesene Direkt­kandidatin für Braunschweig-Süd bei der kommenden Landtagswahl im Oktober.

Nach Ansicht von Hörster sei die noch immer sehr schleppende Umsetzung der UN-Behinderten­rechts­konvention für viele Menschen unerträglich.

Am Freitagabend forderte auch Katrin Langensiepen, Grünen-Politikerin im Europäischen Parlament, eine Entschuldigung seitens der Deutschen Bahn. „Sie haben eine Beförderungspflicht. Dürfen Mitarbeitende einfach so entscheiden und gerade in diesem Fall eine Frau die eindeutig mobilitätseingeschränkt ist, rausschmeißen?“, schrieb sie auf Twitter.

Lecomte, die wegen ihrer Rheumaerkrankung einen Rollstuhl benötigt, war Anfang der Woche in Göttingen aus einem ICE geworfen worden. Vorausgegangen war ein Streit um zu wenig Platz für ihren Rollstuhl, als eine andere Frau mit Kinderwagen zustieg.

Nach Angaben einer Bahnsprecherin wurde der Beförderungsausschluss nötig, weil die Aktivistin im ICE wiederholt herumgeschrien und über die Deutsche Bahn geschimpft hätte – im Wagen habe eine „aggressive Stimmung“ geherrscht. Als die Zugchefin keine andere Lösung mehr sah, wurde die Bundespolizei hinzugezogen, die die Rollstuhlfahrerin aus dem ICE brachte. Lecomte, die sich auf ihrem Twitter-Account lautstark über das Vorgehen beschwerte, warf den Beamten vor, „Polizeigewalt“ angewendet zu haben. Die Durchsetzung der Maßnahme habe die Aktivistin durch ihr Verhalten selbst herbeigeführt, erklärte am Mittwoch ein Sprecher der Bundespolizei.

Wie die Deutsche Bahn zudem mitteilte, könne man die Vorwürfe von Lecomte, man würde Rollstuhlfahrer diskriminieren, nicht nachvollziehen. Vielmehr tue das Unternehmen einiges, um mobilitätseingeschränkten Menschen ein selbstbestimmtes Reisen zu ermöglichen.

Rauswurf von Rollstuhlfahrerin – Deutsche Bahn: „Aggressive Stimmung“ im ICE


letzte Aktualisierung: 5. August 2022, 22:39 Uhr | EVN | Foto: EVN
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