Debatte um Nahverkehr in Mecklenburg-Vorpommern – Grüne fordern landesweites Ticketsystem


SCHWERIN | Nach dem landesweit gültigen Azubi-Ticket will die Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern auch ein verbilligtes Landes-Ticket für Senioren auf den Weg bringen. Nach Ansicht der Grünen ein zu kurzer Schritt. Die Energiepreis-Debatte sorgt auch in dieser Frage für Bewegung.

Das vom Bund zur Entlastung der Bürger von steigenden Energiekosten angekündigte 9-Euro-Ticket für den Nahverkehr belebt auch in Mecklenburg-Vorpommern die Debatte um neue Verkehrskonzepte. Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) bekräftigte am Freitag die Forderung der Länder-Ressortchefs, die für drei Monate vorgesehene Preisermäßigung gleich in ein Gratis-Ticket umzuwandeln. „Dies wäre schnell und unkompliziert umsetzbar und ein klares Angebot an die Bürgerinnen und Bürger, den ÖPNV zu nutzen“, zitierte die Ostsee-Zeitung den Minister, der sich zuvor auch in anderen Medien ähnlich geäußert hatte. Wichtiger als ein kurzfristiger Schub für wenige Monate seien aber klare Zusagen des Bundes bei der Bereitstellung der sogenannten Regionalisierungsmittel und dem pandemiebedingten ÖPNV-Rettungsschirm für 2022, so Meyer.

Nach Ansicht der Grünen erschweren vor allem strukturelle Defizite die Umsetzung der befristeten Fahrpreisminderung im Nordosten. „Außer dem Warnow-Verbund gibt es in Mecklenburg-Vorpommern keine Verbundstrukturen. Jede kommunale Verkehrsgesellschaft sucht nach eigenen Lösungen der Umsetzung“, beklagte Grünen-Landtagsmitglied Jutta Wegner. Eine Fahrt quer durchs Land mit einem 9-Euro-Ticket sei schwer umsetzbar. Mit einem Start des verbilligten Fahrpreises wird nicht vor Mai gerechnet.

Wegner erneuerte die Forderung ihrer Partei nach einem landesweit gültigen Ticket für Busse und Bahnen, mit dem auch ohne großen bürokratischen Aufwand kurzfristig attraktive Angebote unterbreitet werden könnten. Ein Blick in die Nachbarländer Brandenburg und Schleswig-Holstein zeige, wie es gehen könne. „Die Landesregierung muss endlich ihre Hausaufgaben machen und gemeinsam mit den Verkehrsgesellschaften und den Aufgabenträgern ein attraktives Angebot ins Land zu rollen“, sagte sie. Nur so könne die „Autofixiertheit“ in einem ländlich strukturierten Land wie Mecklenburg-Vorpommern überwunden werden.

Wie die Ostsee-Zeitung unter Berufung auf den Verkehrsclub Deutschland (VCD) berichtet, haben Busse und Bahnen in Mecklenburg-Vorpommern einen Marktanteil von fünf bis sieben Prozent. Vergleichbare Flächenländer wie Sachsen und Sachsen-Anhalt kommen demnach auf zehn Prozent, deutlich höher liegen die Anteile in Stadtstaaten wie Berlin und Hamburg.


dpa | Foto: Pixabay
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