Wie können Zugbegleiter besser vor Gewalt geschützt werden? Diese Frage stellen sich viele nach dem tödlichen Angriff in einem Regionalzug in Rheinland-Pfalz – auch die zuständigen Landesminister.
Nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz wollen die Verkehrsminister der Länder über mehr Schutz für Mitarbeiter im Nahverkehr beraten. Das kündigte der Vorsitzende der Ministerkonferenz, Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU), in einer Mitteilung an: “Als Gesellschaft können wir das nicht hinnehmen und müssen ein starkes Zeichen der Solidarität senden.”
Geplant seien die Beratungen am 25. und 26. März in Lindau am Bodensee, sagte eine Sprecherin des bayerischen Verkehrsministeriums. Die Infrastrukturministerin von Sachsen-Anhalt, Lydia Hüskens (FDP), sagte laut Mitteilung, es müssten alle Mittel ergriffen werden, um der Gewalt in Zügen Einhalt zu gebieten: “Mehr Sicherheitspersonal in den Zügen, Schulungen, technische Vorkehrungen wie Bodycams, zügige Rechtsprechung sind nur einige davon.”
Der Chef der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Martin Burkert, hatte nach dem tödlichen Angriff von den Ländern vor allem Geld für eine Doppelbesetzung in Regionalzügen gefordert – damit nicht ein Mitarbeiter allein im Zug unterwegs sein muss. “Dafür sind die Länder verantwortlich”, sagte Burkert. “Die müssen einfach eine Doppelbesetzung bezahlen.”
Schütz: Gewalt gegen Zugbegleiter auch in Thüringen
Wie können Zugbegleiter besser vor Gewalt geschützt werden? Diese Frage spielte auch im Thüringer Landtag eine Rolle. Zugbegleiter und Fahrkartenkontrolleure sind nach Einschätzung von Verkehrsminister Steffen Schütz (BSW) Gewalt und Hass ausgesetzt. “Dieser Mord hätte auch in Thüringen passieren können”, sagte Schütz im Thüringer Landtag in Erfurt. Es sei die Aufgabe der gesamten Gesellschaft, achtsam zu sein und ein Zeichen der Solidarität zu setzen. “Ich und die Landesregierung werden das tun.”
Krischer: Mehr Fokus der Bundespolizei auf Bahn
NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer will mehr Fokus der Bundespolizei auf Bahnhöfe. “Vielleicht muss nicht jeder einzelne Grenzübergang die Priorität sein, sondern wieder mehr die auch stark belasteten Bahnhöfe in Nordrhein-Westfalen”, sagte der Grünenpolitiker im Gespräch mit dem Sender WDR2.
Um die Polizeipräsenz auf den Bahnhöfen zu stärken, wolle er mit dem Bund sprechen, in dessen Zuständigkeitsbereich die Bundespolizei falle. Es müsse deutlich werden: “Wir nehmen so etwas, was in Rheinland-Pfalz passiert ist, nicht hin, sondern wir reagieren da drauf”, so Krischer.
Mit den Verkehrsunternehmen wolle er die Frage besprechen, ob Zugbegleiter in Zukunft zu zweit unterwegs sein sollten. Er wolle sich zudem dafür einsetzen, dass noch mehr Mitarbeiter Sicherheitstrainings bekommen, um deeskalieren und sich auch wehren zu können, wenn sie auf einen gefährlichen Fahrgast treffen.
Die Tat löst deutschlandweit Entsetzen aus. Ein 36-jähriger Bahnmitarbeiter war bei einer Ticketkontrolle in einem Regionalexpress von einem Mann ohne gültiges Ticket mit Schlägen attackiert worden. Er verlor das Bewusstsein und starb später in einer Klinik. Der mutmaßliche Täter, ein 26 Jahre alter Fahrgast, sitzt in Untersuchungshaft.
EVN / dpa
