Schweitzer und Mansoori fordern mehr Zivilcourage nach Attacke im Zug

Der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz will zusammen mit dem Bund Lösungen für mehr Sicherheit und Schutz vor Gewalt finden. Das kostet Geld. Zudem fordert er mehr Zivilcourage aus der Gesellschaft – ebenso wie Hessens Verkehrsminister.

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) hat nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter zu mehr Zivilcourage in der Bevölkerung aufgerufen. “Zivilcourage ist etwas, was wir nicht an die Zugbegleiter delegieren können, sondern da sind wir alle gefordert”, sagte der Regierungschef dem Fernsehsender Phoenix. “Wenn ich Berichte höre, dass Menschen eher ihr Handy zücken und Videoaufnahmen machen, als dass sie andere alarmieren, dann haben wir tatsächlich auch ein gesellschaftliches Thema.”

Bodycams, Bundespolizei, Videoüberwachung und mehr Personal

Der Ministerpräsident machte sich als Konsequenz aus dem Vorfall für eine stärkere Besetzung der Bundespolizei in den Bahnhöfen stark. Der Einsatz von Bodycams müsse zum Standard werden, sagte Schweitzer. “Videoüberwachung muss da, wo sie möglich ist, auch zum Standard werden. Das kann helfen.” Auch die Zahl der Zugbegleiter sollte gestärkt werden.

Der Regierungschef erneuerte seine Forderung nach einer Sonderverkehrsministerkonferenz mit Beteiligung des Bundesinnenministers. Geklärt werden müsse zwischen Bund und den Ländern die Finanzierung der Maßnahmen für mehr Schutz und Sicherheit. “Wir werden nicht nur reden müssen, sondern auch Lösungen finden und Lösungen müssen dann auch bezahlt werden.”

Auch Minister aus Hessen fordert mehr Zivilcourage

Nach dem tödlichen Angriff auf den Zugbegleiter hat auch Hessens Verkehrsminister Kaweh Mansoori (SPD) zu mehr Zivilcourage aufgerufen. Er wünsche sich parteiübergreifend ein Nachdenken darüber, “welchen Beitrag wir dazu leisten können, gegen diese Verrohung in unserer Gesellschaft, die sich immer mehr nicht nur in der Sprache ausdrückt, sondern auch in Taten, vorzugehen”, sagte der hessische Vizeregierungschef im Wiesbadener Landtag.

Es gehe um die Frage, wie dazu beigetragen werden könne, “dass es uns mehr angeht, was unseren Nachbarn und Mitmenschen widerfährt und wie man Zivilcourage stärken kann in einer Zeit, in der sich offenbar niemand berufen fühlte, dazwischen zugehen, als jemand aus unserer Mitte totgeprügelt wurde”, mahnte Verkehrsminister Mansoori.

Bundesweites Entsetzen

Die Gewalttat hatte deutschlandweit Entsetzen ausgelöst. Der 36-jährige Bahnmitarbeiter war am Montagabend nahe Kaiserslautern bei einer Ticketkontrolle in einem Regionalexpress von einem Mann ohne gültiges Ticket mit Schlägen attackiert worden. Er verlor das Bewusstsein und starb später in einer Klinik. Der mutmaßliche Täter, ein 26-jähriger griechischer Fahrgast, sitzt in Untersuchungshaft.

EVN / dpa