Kritik an vorläufigem Ende von Test für Schorfheidebahn RB 63


POTSDAM | Ein Teil der Schorfheidebahn ist nach Angaben des Brandenburger Verkehrsministeriums marode und hat zu wenig Fahrgäste – deshalb soll der Probebetrieb der reaktivierten Strecke enden. Das führt parteiübergreifend zu Kritik, auch aus der eigenen Koalition.

Die Pläne des Brandenburger Verkehrsministeriums für das vorläufige Ende des Testbetriebs der Schorfheidebahn RB 63 stoßen auf Kritik – trotz der Idee eines alternativen Busrings. Verkehrsminister Guido Beermann (CDU) bekam dafür am Mittwoch auch Gegenwind aus der eigenen Koalition.

Beermann will den bereits verlängerten Probebetrieb der RB 63 von Joachimsthal nach Templin Ende dieses Jahres wie geplant auslaufen lassen, weil die Strecke marode sei und die Züge weniger Fahrgäste hätten als für den Dauerbetrieb notwendig seien. Der Nutzen der Strecke soll jedoch noch geprüft werden. Alternativ plant der Minister einen Ring von Bussen in der Uckermark, die öfter als andere Busse fahren.

„Es ist aus meiner Sicht eine vollkommen falsche politische Entscheidung, die Strecke nicht mehr zu befahren“, sagte der Sprecher der SPD-Landesgruppe Brandenburg im Bundestag, Stefan Zierke, der Nachrichtenagentur dpa. „Der ländliche Raum fällt wieder hinten runter. Außerdem handelt der Verkehrsminister gegen den Koalitionsvertrag, wo eine Stärkung der Schiene und keine Streckenschließungen vereinbart sind.» Die Kommunen in der Uckermark und im Barnim hätten den Bedarf gegenüber dem Minister zum Ausdruck gebracht. Zierke hält die Fahrgastzahlen, die als ein Grund für das vorläufige Ende der Strecke gelten, für nicht valide wegen Corona.

Die Grünen halten die Entscheidung ebenfalls für falsch. „Diese Busverbindungen können den Wegfall der RB 63 nicht auffangen“, teilte Grünen-Landeschefin Alexandra Pichl mit. „Der Sinn und Zweck des Plus-Bus-Konzepts ist es, Regionalbahnen zu ergänzen, nicht zu ersetzen.“ Die Grünen seien davon überzeugt, dass die Strecke mehr Vorteile als Nachteile habe. Der verkehrspolitische Sprecher der Grünen im Landtag, Clemens Rostock, forderte eine zügige Analyse von Nutzen und Kosten. Die Untersuchung müsse noch vor dem geplanten Start des Busrings im Juni 2023 in Auftrag gegeben werden.

Auch der Linke-Bundestagsabgeordnete Christian Görke setzt sich für den Erhalt der Strecke ein. „Nach der versuchten Stilllegung der Bahnlinien 73 und 74 ist nun die 63 das Opfer der Landesregierung“, kritisierte Görke. „Diese Abbestellungsorgie im Norden von Brandenburg ist ein einzigartiger Vorgang in Deutschland. Alle reden von Klimawandel und Verkehrswende und die Landesregierung mit grüner Beteiligung bestellt Schienenverbindungen ab.“

Die Strecke von Joachimsthal nach Templin wurde Ende 2018 unter der rot-roten Regierung reaktiviert, damals war Görke Finanzminister. Die Regionalbahn 63 startet in Eberswalde. Für den Testbetrieb von Joachimsthal nach Templin verweist das Verkehrsministerium auf den schlechten Zustand der Strecke und die Zahl der Fahrgäste. Rund 130 Menschen führen damit pro Tag, das Ziel für einen Dauerbetrieb seien aber 300 Fahrgäste.

Mit dem Kreis Uckermark will Beermann als Alternative einen Ring von Plus-Bussen zwischen Prenzlau, Schwedt, Angermünde und Templin einführen, der drei neue Linien umfasst und werktags zwischen 6.00 und 20.00 Uhr im Stundentakt fahren soll. Ein Plus-Bus fährt öfter als andere Linien und hat Anschluss zu Bahnlinien.


dpa / EVN

Anzeige
Cookie Consent Banner von Real Cookie Banner