Berlins Mobilitäts­senatorin Jarasch für Anschluss­lösung nach Ende des 9-Euro-Tickets


BERLIN | Berlins Mobilitäts- und Umweltsenatorin Bettina Jarasch hat eine Nachfolge­lösung für das 9-Euro-Ticket angemahnt und sich einem konkreten Vorschlag der Bundes­grünen angeschlossen.

„Der Erfolg des 9-Euro-Tickets zeigt zweierlei: Attraktiv ist nicht nur ein günstiges Ticket – sondern zugleich ein einfaches“, sagte die Grünen-Politikerin auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. „Daher finde ich den Vorschlag der grünen Bundesebene, für den Nahverkehr in der Region ein 29-Euro-Ticket und bundes­weit ein 49-Euro-Ticket anzubieten, einen sehr guten Vorstoß.“

Jarasch ließ erstmals durchblicken, dass sich das Land Berlin an der Finanzierung einer solchen Lösung beteiligen könnte. Zwar müsse das Geld dafür haupt­sächlich vom Bund kommen, und dies dürfe nicht zu Lasten des dringend nötigen ÖPNV-Ausbaus gehen. Aber: „Wenn der Bund endlich die vereinbarten Regionali­sierungs­mittel für den Ausbau des ÖPNV bereitstellt, dann finde ich es allerdings richtig, dass auch die Länder einen Anteil für ein Nachfolge­ticket leisten“, so Jarasch. „Denn ein solches Ticket ist Teil einer ökosozialen Verkehrswende, die auch Menschen mit wenig Einkommen oder ohne eigenes Auto mobil macht, und zwar klimaneutral.“

Die FDP im Abgeordneten­haus hält hingegen dauerhafte verstärkte Subventionen der ÖPNV-Tickets für den falschen Weg. Angesichts der starken Inflation müssten die Bürgerinnen und Bürger zielgenau und „ohne Bevormundung“ entlastet werden, sagte der Sprecher für Verkehr, Klima und Umwelt der FDP-Fraktion, Felix Reifschneider, am Mittwoch. „Entlastungen müssen möglichst ohne Zweckbindung erfolgen, damit die Menschen selbst bestimmen können, wie sie sie nutzen wollen.“

In Berlin gebe es bereits ein günstiges Sozialticket. „Damit der ÖPNV dauerhaft attraktiver wird, dürfen die knappen Steuermittel nicht für weitere Preis-Subventionen eingesetzt werden.“ Vielmehr müsse das ÖPNV-Angebot durch Investitionen verbessert und für mehr Menschen nutzbar werden. Das bedeute dichtere Takte, neue Verbindungen, mehr Sicherheit und Komfort in Stationen und Fahrzeugen.

Das 9-Euro-Monatsticket für den Nahverkehr ist im August letztmalig zu haben. Die dreimonatige Aktion sollte Pendler angesichts hoher Energiepreise unterstützen und für einen Umstieg vom Auto auf Busse und Bahnen werben. Über mögliche Nachfolge­lösungen wird bundesweit kontrovers diskutiert.

Zur Gegenfinanzierung ihres 29/49-Euro-Vorschlags auf Bundesebene haben die Grünen die Abschaffung des sogenannten Dienstwagen­privilegs vorgeschlagen. „Das wäre sozial und ökologisch sinnvoll, denn vom Dienstwagen­privileg profitieren nahezu ausschließlich die Gut- und Sehr-gut-Verdienenden“, sagte Senatorin Jarasch dazu.

Nötig sei eine nachhaltige Lösung. „Zwar gibt es bereits jetzt viele Menschen, die wegen des 9-Euro-Tickets ihr Auto haben stehen lassen. Aber erst wenn Menschen sich darauf verlassen können, dass der ÖPNV dauerhaft günstig ist, wird es eine dauerhafte Verlagerung vom Auto auf die Schiene geben.“


dpa | Foto: Jarasch
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