Stadler zieht Beschwerde nach Auftragsvergabe von SBB an Siemens zurück

Nach Kritik an der Vergabe eines Großauftrags für Doppelstockzüge beendet Stadler das juristische Verfahren. Das Unternehmen sieht keine ausreichende Grundlage mehr für eine Fortsetzung der Beschwerde.

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Der Schweizer Schienenfahrzeughersteller Stadler hat seine Beschwerde gegen die Vergabe eines Großauftrags der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) zurückgezogen. Damit endet das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht, das Stadler zur Überprüfung der Entscheidung angerufen hatte.

Hintergrund ist die Vergabe eines Rahmenvertrags über bis zu 200 Doppelstockzüge an Siemens. Stadler hatte die Entscheidung kritisiert und mangelnde Transparenz im Vergabeprozess bemängelt. Laut Unternehmen waren wesentliche Teile der Gerichtsunterlagen geschwärzt, sodass zentrale Informationen nicht zugänglich gewesen seien.

Aus den verfügbaren Unterlagen gehe jedoch hervor, dass die SBB bei der Bewertung ihren Ermessensspielraum zugunsten des ausgewählten Angebots ausgeschöpft habe. Stadler verwies darauf, selbst ein bereits vielfach im Betrieb bewährtes Zugmodell angeboten zu haben.

Mangels ausreichender Einblicke sieht das Unternehmen keine Grundlage für eine Fortführung des Verfahrens und zieht die Beschwerde mit Wirkung zum 7. April 2026 zurück. Verwaltungsratspräsident Peter Spuhler erklärte, man akzeptiere die Entscheidung und wolle die Zusammenarbeit mit der SBB fortsetzen.

SBB bestellt zunächst 116 Züge

Nach dem Rückzug der Beschwerde durch Stadler will die Schweizer Bahngesellschaft den Vertrag mit Siemens Mobility nun unterzeichnen und das Projekt umsetzen, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Der Auftrag umfasst zunächst 116 Fahrzeuge, die ab 2031 im Netz der Zürcher S-Bahn sowie in der Westschweiz eingesetzt werden sollen. Die Züge werden laut SBB in den kommenden zwei Jahren entwickelt, bevor die Produktion startet.

Nach Angaben der SBB überzeugte das Angebot von Siemens sowohl bei den Investitions- als auch bei den Betriebskosten, etwa beim Energieverbrauch und der Instandhaltung. Über eine geplante Nutzungsdauer von 25 Jahren rechnet die SBB mit Einsparungen in dreistelliger Millionenhöhe.

Die neuen Doppelstockzüge sollen rund 540 Sitzplätze bieten sowie zusätzliche Stehflächen und mehrere Multifunktionsbereiche für Fahrgäste. Vorgesehen ist der Einsatz von 95 Zügen in der Region Zürich und 21 in der Westschweiz, mit einer Option auf weitere 84 Fahrzeuge.

EVN