Nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter haben Bund, Länder und Bahn beim Sicherheitsgipfel einen Aktionsplan für mehr Sicherheit beschlossen. Die Deutsche Bahn will alle Mitarbeitenden im Kundenkontakt mit Bodycams ausstatten.
Elf Tage nach dem tödlichen Angriff auf den DB-Mitarbeiter Serkan Çalar in einem Regionalzug haben Vertreter von Bund, Ländern, Gewerkschaften und Verkehrsbranche einen gemeinsamen „Aktionsplan für mehr Sicherheit auf der Schiene“ vereinbart. Wie die Deutsche Bahn (DB) mitteilte, sollen damit Prävention und schnelle Hilfeleistung gestärkt werden.
Die Bahn kündigte an, künftig alle Mitarbeitenden mit Kundenkontakt im Nah- und Fernverkehr sowie an Bahnhöfen mit Bodycams auszustatten. Die Nutzung soll freiwillig sein. Zudem sollen 200 zusätzliche Kräfte der DB Sicherheit eingesetzt, Schutzausrüstung verbessert sowie Deeskalations- und Verhaltenstrainings ausgeweitet werden. Der bestehende „Prio-Ruf“ für Notfälle wird weiterentwickelt. Bei DB Regio gilt künftig bei Ticketkontrollen das Prinzip „Eigensicherung vor Prüfung“; ab 1. März liegt die Ausweiskontrolle im Ermessen des Personals.
Gemeinsam mit der Bundespolizei sollen regionale Sicherheitswerkstätten stattfinden. Die bestehende Ordnungspartnerschaft wird fortentwickelt. Darüber hinaus sieht der Aktionsplan unter anderem einen Ausbau der Videoüberwachung, eine mögliche stärkere Personalpräsenz im Nahverkehr, eine Prüfung des Verzichts auf Ausweiskontrollen beim Deutschlandticket sowie eine verstärkte, KI-gestützte Auswertung von Video- und Audioaufzeichnungen vor. Zudem soll der strafrechtliche Schutz von Mitarbeitenden verbessert werden.
Hintergrund sind steigende Übergriffszahlen: Nach Angaben der Bahn gab es 2025 konzernweit 3.262 körperliche Angriffe auf Mitarbeitende. Das entspricht einem Anstieg von 37 Prozent binnen zehn Jahren, auch wenn die Zahl gegenüber dem Vorjahr leicht zurückging. Bund, Länder, Bahn und Branche wollen bis Ende April konkrete Umsetzungsschritte vereinbaren.
Alle Maßnahmen, die kurzfristig umgesetzt werden sollen, in der Übersicht:
- 2026 bekommen alle Mitarbeitenden mit Kundenkontakt im Nahverkehr, Fernverkehr und an den Bahnhöfen Bodycams zur Verfügung gestellt; die Nutzung soll freiwillig sein.
- Die DB setzt 200 zusätzliche Kräfte der DB Sicherheit auf Bahnhöfen ein.
- Die persönliche Schutzausrüstung von DB-Mitarbeitenden wird verbessert.
- DB-Mitarbeitende werden noch mehr in Verhaltens- und Deeskalationstrainings geschult.
- Damit DB-Mitarbeitende im Ernstfall schneller Hilfe bekommen, wird ihr schon vorhandener Hilferufknopf („Prio-Ruf“) weiter ausgerollt und auch weiterentwickelt.
- Die DB führt in Zusammenarbeit mit der Bundespolizei regionale Sicherheitswerkstätten durch, um Sicherheitskonzepte vor Ort anzupassen.
- Bei DB Regio gilt bei der Ticketkontrolle das Prinzip Eigensicherung vor Prüfung. Ab 1. März 2026 liegt es im Ermessen des Kontrollpersonals, ob ein Fahrgast bei der Ticketkontrolle einen Ausweis vorzeigen muss.
EVN
