Gewalt gegen Eisenbahner – Zugbegleiter kommt im Dienst zu Tode

Ein Bahnmitarbeiter stirbt nach einem Angriff bei einer Ticketkontrolle. Das hebt die Gewalt gegen Bahnangestellte auf ein neues Niveau. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident fordert eine Sonderverkehrsministerkonferenz.

Der tödliche Angriff auf einen Zugbegleiter ist nach bisherigem Kenntnisstand der Deutschen Bahn (DB) der erste Fall dieser Schwere. Einer Bahnsprecherin zufolge gibt es derzeit keine Erkenntnisse darüber, dass zuvor bereits ein Bahnmitarbeiter während der Arbeit durch einen gewalttätigen Angriff ums Leben gekommen ist.

Harmen van Zijderveld, Regionalverkehrsvorstand der Deutschen Bahn, nahm an einer Gedenkveranstaltung in Mannheim teil, wo die Einsatzstelle des getöteten Serkan C. war. “Gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dort haben wir des Kollegen gedacht. Vielen hier war er persönlich ein Freund”, schrieb van Zijderveld danach auf der Plattform Linkedin.

Er betonte, dass die DB ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht allein lasse. “Wir schulen sie darin, gefährliche Situationen zu deeskalieren. Wir haben mehr und mehr Kolleginnen und Kollegen mit Bodycams ausgerüstet, wenn diese das wünschen.” Doch er ergänzte auch: “Bei einer derart hemmungslosen Gewalt, wie wir sie jetzt erlebt haben, gibt es leider keinen hundertprozentigen Schutz.”

Vorläufige Obduktion: Zugbegleiter starb an Hirnblutung

Laut vorläufigem Obduktionsergebnis ist der Zugbegleiter infolge des Angriffs an einer Hirnblutung gestorben. Dies sei eine Folge erheblicher stumpfer Gewalteinwirkung gegen den Kopf gewesen, teilte die Staatsanwaltschaft Saarbrücken mit.

Der 26 Jahre alte Tatverdächtige habe den Zugbegleiter mit mehreren heftigen Faustschlägen gegen den Kopf angegriffen. “Ein Messer oder sonstige gefährliche Gegenstände wurden hierbei nicht eingesetzt”, hieß es.

Laut Staatsanwaltschaft werden gesicherte Videoaufnahmen aus dem Zug ausgewertet. Der 26-Jährige sei griechischer Staatsbürger und nach eigenen Angaben in Luxemburg wohnhaft. “Vorstrafen oder polizeiliche Erkenntnisse in Deutschland liegen nicht vor.”

Der 36 Jahre alte Zugbegleiter war bei dem Angriff im Zug von einem Fahrgast am Montagabend bei Landstuhl in Rheinland-Pfalz lebensgefährlich verletzt worden. Am Mittwochmorgen starb er im Uniklinikum Homburg im Saarland.

Rheinland-pfälzischer Ministerpräsident fordert Sonderverkehrsministerkonferenz

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) fordert nach den Geschehnissen eine Sonderverkehrsministerkonferenz. “Wir brauchen in Deutschland einen gemeinsamen Aufbruch, wenn es darum geht, mehr Sicherheit in unseren Bahnhöfen und in unseren Zügen zu erreichen”, sagte er.

Daher solle es eine Sonderverkehrsministerkonferenz in Deutschland geben – mit Beteiligung des Bundesinnenministers Alexander Dobrindt (CSU). “Wir alle müssen ein Interesse daran haben, dass sich solche Taten nicht wiederholen, dass das Sicherheitsgefühl von Bahnkunden, Bediensteten und Menschen, die auf unseren Bahnhöfen sich aufhalten, wieder besser wird”, sagte Schweitzer.

“Es ist heute der Tag der Trauer.” Aber: “Wir können das nicht akzeptieren, dass die Gewalt in unserer Gesellschaft so zunimmt und dass Menschen, die ihren Job machen, von Gewalt bedroht werden.” Es dürfe nicht sein, dass Beleidigungen, Anrempeln, Anspucken für viele Bahnbedienstete vermeintlich zum Alltag gehörten.

Bundesverband SchienenNahverkehr erschüttert über Gewalttat

Auch der Bundesverband SchienenNahverkehr e.V. zeigte sich erschüttert von dem tödlichen Übergriff auf den Zugbegleiter. “Dies ist ein schwarzer Tag für Eisenbahnerinnen und Eisenbahner in Deutschland. Niemand sollte bei der Ausübung seiner Arbeit Angst um sein Wohlergehen haben müssen”, heißt es in einem Statement. Es sei die traurige Wahrheit, dass die Gewaltbereitschaft gegenüber Mitarbeitenden in Zügen und an Bahnhöfen seit Jahren zunehme. “Wir als Gesellschaft müssen das ernst nehmen und in die Sicherheit an Stationen und in Fahrzeugen investieren und diese konsequent verbessern”, betonte Verbandspräsident Peter Panitz.

EVN / dpa