Die ICE-Strecke Berlin–München, quasi unter dem Thüringer Wald hindurch, gehört zu den größten Verkehrsprojekten seit der Wiedervereinigung. Doch bisher fuhren auf der teuren Trasse keine Güterzüge.
Auf der ICE-Trasse Berlin–München durch den Thüringer Wald rollen viele Jahre nach ihrer Inbetriebnahme erste Güterzüge. Das bestätigte eine Sprecherin der Deutschen Bahn auf Anfrage. In diesem Jahr sei die Trasse, die Ende 2017 in Betrieb gegangen ist, erstmals mit einem kommerziellen Güterzug des Eisenbahnverkehrsunternehmens TX Logistik befahren worden. Zuerst hatte MDR Thüringen darüber berichtet. Die Nutzung der mit Milliardenaufwand gebauten Trasse für den Güterverkehr wird seit Jahren diskutiert.
Zu weiteren Interessenten oder der Zahl der angemeldeten Fahrten könnte die Bahn aus rechtlichen Gründen keine Angaben machen, so die Sprecherin. Die Strecke, die zwischen Erfurt und dem fränkischen Ebensfeld quasi unter dem Kamm des Thüringer Waldes durch insgesamt 22 Tunnel führt, wurde nach Bahnangaben auch für die Nutzung durch Güterzüge konzipiert.

Güterzugloks müssen ETCS-Technik haben
Wenn die Eisenbahnverkehrsunternehmen in Zusammenarbeit mit ihren Kunden die Fahrten über diese Strecke für die Beförderung ihrer Fracht wünschen, werde die DB InfraGo dies ermöglichen, führte die Sprecherin aus.
Am Tag hätten Sprinter und ICE und damit der schnelle Personenverkehr Vorrang auf der Strecke, der Schienengüterverkehr könnte nachts rollen. Allerdings müssen die Güterzugloks bestimmte technische Voraussetzungen erfüllen. Die ICE-Trasse ist zu einem großen Teil mit dem europäischen Zugsicherungssystem ETCS ausgerüstet. Immer mehr Güterverkehrsunternehmen würden ihre Loks auch mit der erforderlichen Fahrzeugtechnik bestücken.
2017 war die letzte, 107 Kilometer lange Lücke zwischen Thüringen und Bayern auf der schnellen Nord-Süd-Magistrale geschlossen worden. Der Neu- und Ausbau der Strecke ist Teil des Verkehrsprojekts Deutsche Einheit (VDE 8) auf einer Gesamtlänge von 623 Kilometern zwischen München, Erfurt und Berlin.

dpa / EVN