Moderne ICE-Instandhaltung: Erste Halle im Cottbuser Werk geht in Betrieb


COTTBUS | Die erste Halle des ICE-Instandhaltungswerkes geht in Betrieb – der Bau gelang in Rekordzeit. Auch die Wartung der Züge soll schneller werden – dabei soll das neue Bahnwerk technisch Vorreiter sein.

Die erste Halle des modernsten und größten ICE-Instandhaltungswerks der Deutschen Bahn geht an diesem Donnerstag in Cottbus offiziell in Betrieb. Das Werk ist eines der wichtigsten Vorhaben zur Stärkung der Lausitzer Kohleregion und wird über das Strukturstärkungsgesetz des Bundes finanziert. Zur Eröffnung haben sich unter anderem Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), die Bahnvorstände Richard Lutz und Daniela Gerd tom Markotten sowie Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) angesagt.

Die erste zweigleisige 435 Meter lange Halle für die Wartung der ICE-Flotte wurde in nur rund 20 Monaten errichtet. Der Spatenstich für das neue Werk erfolgte im Mai 2022. Damals sprach Bundeskanzler Olaf Scholz von „Deutschland-Geschwindigkeit“. Man habe die Bahn beim Bautempo in Gesprächen von der „Tesla-Geschwindigkeit überzeugt“, hatte Brandenburgs Regierungschef Woidke noch während der Bauphase berichtet.

Das neue Bahnwerk soll von Beginn an neue technische Maßstäbe setzen. So ist es nach DB-Angaben möglich, 374 Meter lange ICE-Züge mit bis zu 13 Wagen in voller Länge in die Halle einfahren zu lassen. Ein Rangieraufwand fällt damit weg. Das bedeute mehr Tempo und Effizienz, weil die Züge während der Instandhaltung nicht mehr geteilt oder bewegt werden müssen, so ein Sprecher. Zudem können den Angaben nach die Instandhaltungsarbeiten gleichzeitig auf verschiedenen Ebenen ausgeführt werden, am Dach kann auf ganzer Länge gearbeitet werden.

Das Werk ist speziell auf den ICE-4 zugeschnitten – für die Bahn ist der Zug mit einer Kapazität von bis zu 13 Wagen das „Rückrad des Fernverkehrs“. Mit der neuen Technologie in der Halle soll es geschafft werden, die Zeiten für die Instandhaltung der Züge von etwa 20 Tagen deutlich zu verringern. Bis 2025 soll die ICE-4-Flotte 137 Züge haben.

2026 soll der Neubau einer zweiten, viergleisigen Instandhaltungshalle fertig sein. Insgesamt sollen 1200 Industriearbeits- und Ausbildungsplätze entstehen. Bis 2024 will die Bahn mehr als 400 neue Mitarbeiter und Auszubildende an Bord holen. Bis 2026 kommen noch einmal 800 Stellen dazu.

Die Stadt als alter Bahnstandort soll wichtiger Verkehrsknotenpunkt bleiben – mit dem ICE-Werk und auch als Station im ICE-Netz – so hoffen es Politik und Wirtschaftsförderer in der Region. Das würde Cottbus und die Lausitz noch attraktiver für Zuzügler und Rückkehrer machen, die als Arbeitskräfte dringend gebraucht werden. Dazu muss der Ausbau der Schieneninfrastruktur an Fahrt aufnehmen. Ein erster Schritt ist getan: der zweigleisige Ausbau der Bahnstrecke Lübbenau-Cottbus wird ist ein weiterer großer Schritt erreicht.

Eine Finanzierungsvereinbarung dazu steht. Die Züge sollen ab Ende 2027 im 30-Minuten-Takt fahren. Geplanter Baubeginn ist Ende 2026. Insgesamt sollen rund 265 Millionen Euro in den Ausbau fließen, 255 Millionen Euro davon aus dem Investitionsgesetz Kohleregionen.


dpa / EVN