S-Bahn Stuttgart: Fast 100 Züge wegen erhöhter Radabnutzung aus dem Verkehr


STUTTGART | Wegen einer erhöhten Abnutzung der Räder nimmt die S-Bahn Stuttgart vorübergehend alle Fahrzeuge der Baureihe 430 aus dem Fahrgasteinsatz.

Betroffen von der Maßnahme seien nach Angaben eines Bahnsprechers 97 von derzeit 157 Zügen der gesamten S-Bahn-Flotte. Eine mögliche Ursache vermutete die Deutsche Bahn am Donnerstag auf der Strecke zwischen Stuttgart-Vaihingen und dem Stuttgarter Hauptbahnhof. Die kurvenreiche sogenannte Panoramastrecke wird als Umleitung für die derzeit geschlossene Stammstrecke der S-Bahn genutzt. Dort waren nach ähnlichen Untersuchungen bereits im Sommer 2021 drei Schmieranlagen in Betrieb genommen worden, um die Reibung zwischen Rädern und Schienen in den engen Bögen zu reduzieren. „Durchgeführte Testfahrten und Messungen sind positiv verlaufen“, teilte ein Bahnsprecher mit. Nach den erneuten Entdeckungen haben Experten nach Angaben des Sprechers „die Untersuchungen zum komplexen Zusammenspiel von Rad und Schiene umgehend wieder aufgenommen“.

Auf den Linien S1, S12, S2, S23 und S15 kommt es laut Bahn-Angaben ab sofort zu einem sehr eingeschränkten Angebot. Zwischen Vaihingen und Hauptbahnhof werden die Züge der Linien S1 und S23 bis auf weiteres nicht mehr fahren.

Schon im vergangenen Sommer war der S-Bahnverkehr wegen Verschleißes beeinträchtigt gewesen. Damals waren sowohl die Fahrzeuge der Baureihe 430 des Herstellers Bombardier/Alstom als auch die Gleise von der DB Systemtechnik unter die Lupe genommen worden. In einem Bericht wurden der Kurvenradius, Radstand, Raddurchmesser und die Anordnung der Drehgestelle für die höhere Reibung auf der Panoramastrecke ausgemacht. Der Streckenabschnitt wird normalerweise von Intercity- und Regionalzügen genutzt.

Auch auf der kurvenreichen Schwarzwaldbahn hatte die Bahn nach einem Räder-Check zuletzt die Notbremse gezogen. Dort war bei turnusmäßigen Untersuchungen ebenfalls eine erhöhte Abnutzung der Räder festgestellt worden, betroffen sind Doppelstockfahrzeuge. Seit Ende Juni müssen Fahrgäste zwischen Hausach (Ortenaukreis) und St. Georgen (Schwarzwald-Baar-Kreis) in Busse umsteigen. Dadurch verlängert sich die Reisezeit erheblich.


EVN | Foto: DB AG / Wolfgang Klee (Archiv)