Der Abschlussbericht der Schweizer Sicherheitsuntersuchungsstelle zum Bahnunfall in St. Gallen sieht keine technischen Mängel als Ursache. Ausschlaggebend waren demnach betriebliche Fehlentscheidungen beim Einsatz eines Zweiwegebaggers.
Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST) hat ihren Abschlussbericht zur Kollision eines Zweiwegebaggers mit einem Lokzug in St. Gallen St. Fiden veröffentlicht. Dem Bericht zufolge waren weder technische Defekte noch Mängel an den eingesetzten Fahrzeugen ursächlich für den Unfall am 19. Mai 2025. Stattdessen führt die Untersuchungsstelle die Kollision auf Fehlentscheidungen zurück.
Nach den Erkenntnissen der SUST waren die im Sicherheitsdispositiv vorgesehenen Sperrungen und Alarmmaßnahmen zunächst ordnungsgemäß umgesetzt worden. Zudem hätte eine zusätzliche Sperrung von Gleis 22 den Arbeitsbereich ausreichend abgesichert, um Schwenkbewegungen des Zweiwegebaggers gefahrlos durchführen zu können.
Laut Bericht verließ der Zweiwegebagger kurz vor dem Unfall den abgesicherten Arbeitsbereich im gesperrten Gleis 23. Die Rangierbewegung erfolgte ohne Absprache mit dem Sicherheitschef und entgegen der Anweisung des Arbeitsleiters in das nicht gesperrte Gleis 13. Während dieser Bewegung wurden die ursprünglich eingerichteten Sicherheitsmaßnahmen unwirksam, da der Bagger den geschützten Perimeter verlassen hatte. Einen nachvollziehbaren Grund für das Verlassen der Arbeitsstelle durch den Bagger konnten die Ermittler nicht feststellen. Beim anschließenden Schwenkmanöver ragten die Schaufel und der Ausleger des Baggers in das Lichtraumprofil des aktiven Nachbargleises (Gleis 14), wo die Zugfahrstraße für den herannahenden Lokzug eingestellt war. Hierdurch kam es schließlich zur Kollision.
Die SUST kommt zu dem Schluss, dass menschliche Entscheidungen ursächlich für den Unfall waren. Die genauen Umstände, die zum eigenmächtigen Verlassen der Arbeitsstelle und zum riskanten Schwenkmanöver führten, konnten jedoch nicht abschließend geklärt werden.
Der Maschinist und der Begleiter des Zweiwegebaggers wurden schwer verletzt; der Lokführer erlitt bei dem Unfall einen Schock. Die Lokomotive, der Zweiwegebagger und der Schweißanhänger wurden schwer beschädigt.
EVN
