Nach ersten Tests einer ferngesteuerten S-Bahn auf dem Bahngelände in München-Steinhausen hat Alstom technische Einzelheiten zur Umsetzung mitgeteilt. Im Fokus stehen Umbauten am Fahrzeug sowie stabile Funkverbindungen.
Auf dem Werksgelände der Deutschen Bahn in München-Steinhausen erfolgten kürzlich erste Tests einer ferngesteuerten S-Bahn. Nun hat der Hersteller Alstom weitere technische Details zur Umsetzung der sogenannten Remote Train Operation (RTO) bekanntgegeben. Eine Präsentation der neuen Technik erfolgte Ende Januar gemeinsam mit der Deutschen Bahn an einem umgerüsteten Fahrzeug der Baureihe 423.
Für den ferngesteuerten Rangierbetrieb seien am Fahrzeug mehrere Umbauten erforderlich, wie Alstom gegenüber Bahnblogstelle mitteilte. Dazu zählen unter anderem zusätzliche Kameras für die Streckensicht, Mikrofone, eine fahrzeugseitige RTO-Steuereinheit, Netzwerk-Switches sowie eine sogenannte NetBox als Kommunikations-Gateway auf Basis von 5G oder WLAN. Hinzu kommen Dachantennen, neue Leitungswege, zusätzliche Verkabelungen und Schnittstellen zum Zugsteuerungs- und Diagnosesystem (TCMS).
Auf die Frage, welche Umrüstungen für Bestandsfahrzeuge nötig seien, teilte Alstom mit, dass die technische Grundarchitektur zwar gleich bleibe, Einbauorte und Integration sich jedoch je nach Baureihe unterscheiden würden. Entscheidend sei zudem, ob bestehende ETCS-Strukturen genutzt werden könnten, etwa vorhandene Antennenplätze oder Leitungswege.
Zentrale Herausforderungen
Als zentrale Herausforderungen nennt Alstom die Sicherstellung einer stabilen, leistungsfähigen Funkverbindung mit geringer Latenz sowie die zuverlässige Mensch-Maschine-Interaktion am fernbedienten Arbeitsplatz. Auch regulatorische Anforderungen, Sicherheitsnachweise und die Anpassung betrieblicher Regelwerke seien komplex. Darüber hinaus erfordere die Integration in bestehende Fahrzeuge und Abläufe umfangreiche organisatorische Anpassungen und Schulungen.
Die ersten Projektabstimmungen für den „Ferngesteuerten Rangierbetrieb“ bei der S-Bahn München begannen nach Unternehmensangaben im Oktober. Die Arbeiten am Fahrzeug starteten im Dezember, Mitte Dezember seien erste Funktionen demonstriert worden. Eine erweiterte Vorführung habe Ende Januar stattgefunden. Angaben zu einem Abschluss der Testphase machte das Unternehmen nicht; derzeit liefen Gespräche über die nächsten Schritte.
Zufrieden mit bisherigen Tests
Alstom zeigte sich mit den bisherigen Tests zufrieden. Trotz provisorischer Installation und schwieriger Witterungsbedingungen habe das System zuverlässig funktioniert. Rückmeldungen von beteiligten Triebfahrzeugführern würden in die weitere Optimierung einfließen, hieß es.
EVN
