Podcast thematisiert psychische Folgen von Personenunfällen für Lokführer

Der Eisenbahn-Podcast Langsamfahrt befasst sich mit den psychischen Belastungen von Lokführern nach Personenunfällen. Ein ehemaliger Mitarbeiter der Deutschen Bahn berichtet über Suizide im Gleisbereich und Defizite in der Nachsorge.

Der Eisenbahnbetrieb hat auch Schattenseiten. Hierzu zählen insbesondere Ereignisse wie Personenunfälle. Laut Statistik kommen jeden Tag drei Menschen auf der Schiene zu Tode. Wenn ein Zug eine Person erfasst, hat das aber nicht nur schwere Folgen für den Verunfallten – vor allem Lokführerinnen und Lokführer müssen mit psychischen Auswirkungen leben.

Die aktuelle Ausgabe der Podcast-Reihe Langsamfahrt widmet sich diesem schwierigen Thema. Moderator und Lokführer Gregor Börner spricht in der Sendung mit Thomas Mühlhausen, der 49 Jahre als Lokführer bei der Deutschen Bahn tätig war und sich zudem im Betriebsrat sowie gewerkschaftlich engagierte.

Mühlhausen schildert mehrere Suizidfälle, die er während seiner Laufbahn erlebt hat, und beschreibt die langfristigen psychischen Belastungen für betroffene Kollegen. Kritisch äußert er sich über die aus seiner Sicht lange unzureichende Vorbereitung auf solche Ereignisse in der Ausbildung sowie über Defizite bei Betreuung und Nachsorge im Vergleich zu anderen Einsatz- und Rettungskräften.

Im Gespräch werden zudem brenzlige Situationen, beispielsweise an Bahnhöfen, angesprochen, etwa Risiken durch den Luftsog vorbeifahrender Züge oder unaufmerksame Personen am Bahnsteig. Aber auch unerlaubte Gleisüberschreitungen würden immer wieder zu Schreckmomenten bei den Lokführern führen. „Es wäre schön, wenn man das wieder mal in den Grundschulen den Kindern mal vielleicht beibringen würde (…) welche Gefahr gerade von Zügen ausgeht“, betont Mühlhausen. Auch Beinaheunfälle könnten nachhaltige psychische Spuren hinterlassen, insbesondere bei Beschäftigten, die bereits tödliche Unfälle erlebt haben.

Der Podcast macht deutlich, dass die Verarbeitung solcher Erlebnisse individuell sehr unterschiedlich verläuft und dass professionelle Hilfeangebote eine wichtige Rolle spielen, sofern sie in Anspruch genommen werden.

Die aktuelle Podcast-Folge gibt es auf Langsamfahrt.de


Im Einklang mit dem Pressekodex wird in den Medien nur in Ausnahmefällen über Suizide berichtet. Wenn Sie selbst Hilfe benötigen oder suizidgefährdet sind, wenden Sie sich bitte an die Telefonseelsorge (0800 – 111 0 111) oder einen Arzt.

EVN