Fehlendes Personal sorgt für Störungen im Bahnbetrieb – EVG fordert Sofortmaßnahmen


BERLIN | Aufgrund der aktuellen Personalsituation fordert die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) DB-Personalvorstand Martin Seiler auf, „wirksame und nachhaltige Sofortmaßnahmen zum Schutz der Beschäftigten und zur Sicherung des Betriebsablaufes“ zu ergreifen.

Die Lage habe „inzwischen dramatische Ausmaße angenommen“, heißt es in einem Brief an die Chefetage der Deutschen Bahn. In dem Schreiben erklärte EVG-Chef Klaus-Dieter Hommel: „Die angespannte Betriebslage ist zu einem nicht unerheblichen Teil auch der kritischen Personalsituation in den operativen Bereichen des Systemverbunds Schiene geschuldet.“ Fast täglich höre man von Warnungen der Beschäftigten über Mangel an einsatzfähigem Personal. „Ganze Schichten im Zugbetrieb, in der Instandhaltung oder auf Stellwerken können nicht mehr besetzt werden“, so Hommel. Zahlreiche Züge würden sich daher verspäten oder fielen gänzlich aus.

In vielen Bereichen könne der Zugverkehr nur „durch eine hohe Zahl an Überstunden aufrechterhalten werden“, erläuterte der EVG-Chef. Manche Beschäftigte hätten bis zu 300 Überstunden. Auch Urlaubstage könnten zum Teil aus „dringenden betrieblichen Gründen“ nicht genommen werden, beklagte die Gewerkschaft. Frust und hohe Krankenstände seien die Folge.

Hommel forderte die Bahnspitze auf, sofortige Maßnahmen auf Grundlage des aktuellen einsatzfähigen Personalbestandes vorzunehmen. Zur Verhinderung weiterer Überlastungen des Personals und für eine Aufrechterhaltung des Betriebsablaufes sei laut dem Gewerkschafter „eine realistische Analyse der aktuellen Personalsituation unerlässlich“.

Bahnchef Richard Lutz hatte im Sommer betont, dass Einbußen bei Zuverlässigkeit und Qualität nicht an einem Personalmangel liegen würden. Vielmehr seien hohe Baustellenaktivitäten und die überlastete Infrastruktur der Grund. Auch eine Bahnsprecherin erklärte damals, dass man – wie auch andere Unternehmen – von steigenden Coronafällen oder anderen kurzfristigen Krankheitsfällen betroffen sei. Einen „strukturellen Personalmangel“ gäbe es nicht, da die Bahn mit ihrer Joboffensive seit Jahren neue Mitarbeitende „über Bedarf“ einstelle.

Angespannte Personalsituation – Bahngewerkschaft: Auch Transdev und Netinera müssen handeln


EVN | Foto: Imago / Arnulf Hettrich

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