Regionen in Thüringen in Sorge um Anbindung an Intercityverkehr


GERA | Thüringens große Städte sind alarmiert: Sie fürchten, vom Intercity-Netz der Deutschen Bahn abgekoppelt zu werden.

Eine mögliche Einstellung von IC-Verbindungen der Bahn treibt die Kommunalpolitiker in Ostthüringen und dem benachbarten Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt weiter um. Sollten die Linien 51 Gera-Köln sowie 61 Karlsruhe–Nürnberg–Leipzig durch das Saaletal aus dem IC-Netz fallen, drohe der Region Einschränkungen nicht nur im Fernverkehr, erklärten die Oberbürgermeister von Gera und Jena sowie der Landrat des Burgenlandkreises am Samstag in einer gemeinsamen Erklärung.

In dieser Woche war bekanntgeworden, dass die Deutsche Bahn wegen stark steigender Trassenpreise über eine Verringerung des Angebots nachdenkt. Die Bahn wollte sich zu einer Liste oder zu konkreten Streichungsplänen jedoch nicht äußern.

Die IC-Linien, die Mitteldeutschland beträfen, würden auch regionale Bahnhöfe anbinden, erklärten die Kommunalpolitiker. Sie ergänzten sowohl andere Fernverkehrsverbindungen als auch einen Teil der Mitte-Deutschland-Verbindung, die von Chemnitz über Gera und Jena nach Weimar führe und dort an den Fernverkehr angebunden sei.

„Die Intercity-Linien 51 und 61 stellen für Naumburg und Weißenfels eine wichtige Schnittstelle zwischen Regional- und Fernverkehr dar. Insofern wäre die Einstellung der Linien ein gravierender Rückschritt und auch ein erheblicher Rückschlag für unsere gemeinsamen Bemühungen innerhalb der gesamten Metropolregion Mitteldeutschland“, erklärte der Landrat des Burgenlandkreises, Götz Ulrich.

Jenas Oberbürgermeister Thomas Nitzsche verwies auf die Bedeutung der Stadt als Universitäts- und Industriestadt. Dank seines Wirtschafts- und Wissenschaftspotenzials sei Jena ein Standort mit guten Entwicklungsperspektiven. „Bedingung dafür ist jedoch eine moderne, gut ausgebaute Infrastruktur.“ Viele Menschen seien auf eine schnelle Verbindung nach Berlin, Frankfurt und München angewiesen.

Gera, Thüringens drittgrößte Stadt, habe mit der Linie 51 aktuell nur eine einzige IC-Anbindung dieser Art, äußerte Bürgermeister Kurt Dannenberg. „Sie zu verlieren, wäre ein herber Verlust“, sagte er – zumal es keine alternativen Strecken gebe.

Bei den Trassenpreisen handelt es sich um Gebühren, die von der DB-Infrastrukturgesellschaft InfraGo erhoben werden. Alle Unternehmen, die die Infrastruktur der Bahn nutzen, müssen sie zahlen, auch die Verkehrsunternehmen der Deutschen Bahn selbst.

Wie konkret die Streichung einzelner Verbindungen bei der Bahn diskutiert wird, ist im Detail offen. Laut einem Bericht des Spiegel hat die Bahn bereits eine Liste mit Fernverkehrsverbindungen aufgestellt, die ausgedünnt oder gestrichen werden sollen.


LESEN SIE AUCH

dpa