Münchner Autozug-Station wird für zweite Stammstrecke verlegt


MÜNCHEN | Damit die zweite S-Bahn-Stammstrecke in München Realität werden kann, muss unter anderem die bisherige Autozug-Station verlegt werden. Nun ist ein neuer Standort gefunden. Doch lohnt der Aufwand?

Für die zweite Münchner S-Bahn-Stammstrecke wird die Autoreisezug-Station der Landeshauptstadt vom Ost- zum Südbahnhof verlegt. Damit werde der Weg für die neue zentrale S-Bahn-Strecke durch Münchens Innenstadt frei, erläuterte der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn (DB) für Bayern, Klaus-Dieter Josel, am Mittwoch. „Die Deutsche Bahn kann nun endlich entlang der gesamten Strecke bauen.“

Das Auto auf den Zug verladen, die Nacht hindurch schlafen und am Morgen entspannt ankommen: Das Konzept ist eigentlich verlockend. Dennoch nutzen nur wenige Reisende die Möglichkeit. Allerdings gibt es aktuell von München aus auch lediglich eine einzige Route, nach Hamburg. Sie bringt vorwiegend Urlauber ans Meer beziehungsweise in die Berge.

„Im Planfeststellungsverfahren sind wir davon ausgegangen, dass wir pro Jahr um die 600 Autos verladen werden“, erläuterte ein Bahn-Sprecher die Größenordnung. Ihm zufolge kalkuliert der private Betreiber der bisherigen Verbindung mit etwa 1900 Fahrzeugen pro Jahr; in Zukunft sollen auch Fahrten nach Italien angeboten werden. Das neue Verladeterminal soll Mitte 2025 fertiggestellt sein.

Der Baubeginn für die neue Anlage am Mittwoch sei ein wichtiger Meilenstein, erläuterte Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU). Denn mit der Verlegung entstehe Baufreiheit für die Arbeiten der neuen unterirdischen Station am Ostbahnhof im Zuge der zweiten Stammstrecke. „Ich gehe davon aus, dass die Deutsche Bahn nun zeitnah auf der ganzen Strecke ins Bauen kommt“, betonte Bernreiter.

2022 war bekannt geworden, dass sich die Inbetriebnahme der zweiten Stammstrecke wohl von 2028 auf das Jahr 2037 verzögern wird. Außerdem soll das Mammut-Projekt nicht mehr wie ursprünglich kalkuliert 3,85 Milliarden Euro kosten, sondern mindestens 7,0 Milliarden Euro – zuzüglich der massiven Preissteigerungen nach dem Jahr 2021. Das Vorhaben soll die bisherige Stammstrecke entlasten, auf der bislang sämtliche S-Bahn-Linien unterirdisch durch die Münchner Innenstadt fahren – ein häufig überlastetes Nadelöhr.


dpa