Thüringens Verkehrsministerin für Neuauflage des 9-Euro-Tickets


ERFURT | Thüringens Verkehrsministerin Susanna Karawanskij (Linke) ist dagegen, dass 9-Euro-Ticket Ende August auslaufen zu lassen.

Sie habe sich in einem Brief an Bundesverkehrs­minister Volker Wissing (FDP) dafür eingesetzt, rasch ein Nachfolge­angebot auf den Weg zu bringen, sagte Karawansikij am Sonntag in Erfurt. Fast die Hälfte der Bürger und Bürgerinnen nutze das 9-Euro Ticket im Alltag. „Das ist ein starkes Signal, das Angebot bundesweit fortzusetzen.“

„Ich bin für ein echtes Klimaticket, das auch die privaten Geldbeutel entlastet – zum Beispiel als ganzjähriges 365-Euro-Ticket“, sagte Karawanskij. Nach ihrer Meinung wäre es ein fatales Zeichen, das neue beziehungs­weise gestiegene Interesse am Öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) durch eine fehlende Anschluss­regelung zu konterkarieren. Auch um die Klimaschutz­ziele im Verkehrssektor zu erreichen, müsste die Stärkung des ÖPNV vorangetrieben werden. Zudem trage das 9-Euro-Ticket dazu bei, die Inflation zu bremsen. Die wichtigste Erfahrung der vergangenen Wochen sei: „ÖPNV muss kostengünstig und einfach sein“.

Thüringens Verkehrsministerin forderte Wissing außerdem auf, die Bundesmittel für den ÖPNV kurzfristig und kräftig zu erhöhen. Nötig seien eine deutliche Ausweitung des ÖPNV-Angebots sowie Investitionen in Infrastruktur und Fahrzeuge, „damit gerade die Menschen in den ländlichen Regionen die Chance bekämen, ihr Auto stehen zu lassen und auf den ÖPNV umzusteigen“. Länder und Kommunen würden diese riesigen Investitionen nicht allein tragen können.

Eine besonders hohe Nachfrage habe es in Thüringen mit dem 9-Euro-Ticket auf länder­übergreifenden Regionalbahn-Verbindungen gegeben, darunter auf den Strecken Nürnberg–Jena–Leipzig, Erfurt-Würzburg oder Erfurt–Göttingen, so die Ministerin.

Thüringen habe kurzfristig rund 1,7 Millionen Euro bereitgestellt, so dass auf einzelnen, besonders belasteten Strecken wie der Regionallinie 42 Leipzig–Jena–Nürnberg Entlastungszüge eingesetzt oder Züge mit weiteren Wagen verstärkt werden konnten.

Nach Einschätzung des Ministeriums hat die mangelnde Verfügbarkeit von zusätzlichen Fahrzeugen und Personal verhindert, dass das Angebot flächendeckend ausgeweitet und die starke Auslastung der Züge verringert worden sei. Zum Teil müssten Fahrgäste stehen, bisweilen können sie wegen zu hoher Auslastung nicht mehr zusteigen.


dpa | Foto: DB AG / Christian Bedeschinski
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